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50 km auf der „NULL“- Linie in Georgsmarienhütte oder „ Mein erster Ultramarathon“ - ein Bericht von Sandra Kürbis - Edzards
Die Woche vor dem Start war für mich schon ein wenig beunruhigend. Das Wetter war nicht viel versprechend, alles grau in grau, ständig dieser feuchte Niederschlag von oben, dann die Gedanken ob es wirklich richtig ist am Samstag bei der Georgsmarienhüttener Null zu starten. 50 km! Eine Distanz, die mir noch fremd war. Sollte diese Entscheidung richtig gewesen sein, einen Ultramarathon laufen zu wollen und diesen dann zum größten Teil im Wald bei erschwerten Bodenverhältnissen und ca. 800 Höhenmetern? Nun gut ich hatte mich entschieden. Die Vorbereitung war ausreichend, die Generalprobe um den Rursee lief ja bestens und nach mehrmaligen aufmunternden und aufbauenden Worten meiner erfahrenen Mitläufer, ließ ich mich dann auch schnell beruhigen und vertraue mal dem, was die Erfahrenen so berichteten! Somit schwanden dann auch die letzten Zweifel. Ein wenig beunruhigte mich noch die Tatsache, dass die Duschen kalt, also so richtig kalt! sein sollten…..aber - was soll‘s - lasse es mal auf mich zukommen.
In aller früh ging es Samstagmorgen raus. Zeit genug noch mal das Wetter zu checken, was uns unsere Wetterfrösche so prophezeien: Georgsmarienhütte – Regen 3°C ! Nun wie auch immer, schnell Sachen geschnappt, Kaffe getrunken und los ging es. Unterwegs merke ich, dass ich doch irgendwie in meiner Aufregung glatt vergessen hatte zu frühstücken! – Is mir zwar noch nie passiert, aber wie ging der Spruch noch gleich: Laufen macht dumm? ..O.k. , das vergessene Frühstück ließ sich dann nach einer recht kurzen Anfahrt von Wildeshausen nach Kloster Oesede, die übrigens wie „im Fluge“ verging, nachholen. In der Sporthalle, wo einige der Läufer, die bereits am Vortage angereist waren, übernachtet hatten, checkten wir ein und machten uns auch noch über das uns angebotene Frühstück her.
Fast pünktlich um 8.30 Uhr ging es dann erwartungsvoll auf die Strecke. Nach einigen Instruktionen des Veranstalters, beispielsweise wie: „das Wetter soll in den nächsten Stunden besser werden …..- oder auch nicht!“ Oder wir sollten doch immer der am Wegesrand irgendwann mal gehangenen „Null“ – Schildern nachlaufen. Teilweise wurden diese erneuert – auf jeden Fall erstmal nur auf den letzten Fünf Kilometern! Also, uns kann nichts passieren, außer dass, wenn man der orangen Null nachläuft, evtl. erst Weihnachten wieder hier wäre! – oder so ähnlich! (Orangener Weg = 80 KM)……….Aber ansonsten gab es ja die Berg- und Talführer oder die Magister, das sind die Läufer mit den gelben oder roten Shirts, an denen wir uns dann halten sollten! Man hat denen gesagt, sie kennen den Weg! Dann gehe ich mal davon aus, dass die auch zugehört haben!! - Hmm, aber weil es im diesem Jahr auf eine neue Strecke ging, besteht trotzdem keine 100%ige Wegessicherheit! Nun, zum Glück hatten wir Alfred bei uns! Mit seiner 27. Teilnahme und einer Auszeichnung zum Magister, konnten wir davon ausgehen das wir den richtigen Weg laufen werden und er uns nicht in die Wicken schickt!....Obwohl, genau da ging es lang! Teilweise musste man schon eine sehr gute Vorstellungskraft besitzen, um auch nur annähernd einen Weg unter dem, worüber man gerade läuft, zu vermuten! Mir kam es so vor, dass je schlimmer und unscheinbarer ein Weg aussah, desto sicherer konnte man sein, dass er der richtige ist! Schmale, lehmige, matschige Trampelpfade, übersät mit Baumwurzeln, abgebrochene Baumstumpen und Zweigen. Beerenzweige bei denen man wahrlich aufpassen musste, sich nicht darin zu verheddern – was bei mir allerdings das ein oder andere mal vorkam – aber zum Glück war die Reaktionsfähigkeit zu der Zeit noch so gut, dass es mir immer gelang mich irgendwie wieder zu fangen – zum Pech derer, die bereits schon schadenfreudig loslachten und mich schon im matschigen Lehm haben liegen sehen! Nun, einige lagen tatsächlich…unterwegs gab es da noch so einen Kommentar: „ Wenn du hinfällst, nicht sofort aufstehen: Erst mal genießen!“ …Ok, wer denn möchte, Bitte – anderswo zahlt man eben für Moor- Schlammbäder viel Geld! – Sah aber trotz allem nicht wirklich einladend aus!
So löste dann ein Berg den nächsten ab – in der Summe ca. 800 Höhenmeter! Die Stunden vergingen wahrlich unmerklich, der Regen hatte tatsächlich nachgelassen, hier ein Schwätzchen mit Bekannten gehalten, dort ein Spruch gelassen, ein Pläuschen , ein Witz…..usw., sogar leichte Steigungen bewältigte man ohne sie wirklich wahr zu nehmen - jedoch die eine oder andere dafür umso intensiver! Wie beispielsweise der erste harte Anstieg bei KM 15, der auch gleich die vollen Höhenmeter inne hatte und gleichzeitig mit seinem steilen Anstieg schon mal die Beinmuskulatur ausreizte! Oben angekommen, konnte dann auch noch bei Bedarf der Aussichtsturm bestiegen werden! – Ohne lange zu überlegen unterließ ich es jedoch! Bei dem weiteren Lauf Bergauf und –ab stellte ich fest, dass es rauf angenehmer ist als runter zu laufen! Zumindest bei diesem Untergrund . Da wusste man ja manchmal vor dem Auftritt nicht wirklich, ob der Fuß auch dort bleibt wo man ihn hinsetzt, oder ob man anfängt zu rutschen - im Matsch, zwischen Baumwurzel und Steinen……nun, da ich von Grund auf immer ein wenig vorsichtiger an unbekanntem rangehe, hab ich es auch hier so gehandhabt – mit Erfolg! Nicht gestürzt!
Bei der 4. Verpflegungsstation, KM 37 und ca. 4 1/2 Stunden gelaufen, bemerkte ich doch, dass es in den Beinen hier und da ein wenig zwickt und zieht – aber wie gesagt, nur ein wenig! …Gestärkt von Cola und Banane, sowie aufbauenden Sprüchen ging es jetzt mit großen Schritten zum Endspurt. Wobei ich mal eben bemerken muss, dass die Männer aber auch immer so schnell sein müssen mit der Nahrungsaufnahme! – also ich lass mir da auch mal ganz gerne ein wenig mehr Zeit!! – nun gut, trotz allem waren sie sehr geduldig mit mir!! Vor allem Alfred, als Magister für die neuen verantwortlich, hat seinen Job sehr ernst genommen und mit Bravur gemeistert. Bewertung : 100 % positiv ….
Irgendwann, nein genauer gesagt, bei KM 42,195 passierten wir dann die Marathon – Eiche und mir ging es erstaunlicherweise immer noch gut! …Fast gemeinsam liefen wir dann noch mal die letzte Verpflegungsstation bei KM 43 an, von der das Ziel sage und schreibe nur noch 7 km entfernt war! 7km! Das ist doch eine kleine Trainingsrunde! Klar, die schaffste doch auch noch! Habe aber damit gerechnet, dass ich die KM mit mir selber ausmachen und kämpfen müsste, sozusagen durchbeissen! Dank Alfred, der ja unaufhörlich quatschen, singen! und motivieren kann , kam ich gar nicht dazu den Kampf überhaupt anzutreten!
….es gab noch ein paar kleinere Hügel zu erzwingen, einen noch mal so ziemlich aufgeweichten, matschigen, lehmigen Weg zu bewältigen – zum Schluss ist es wirklich egal ob die Schuhe einsinken oder nicht! – Meistens gibt es gar keine Alternative als mitten durch!Ein-zweimal musst ich nur aufpassen, dass ich auch meinen Schuh mitbekomme und nicht dass er im Schlamm stecken bleibt!
…..ca. bei KM 47 durften wir den Rest der Strecke an der Strasse auf befestigtem Untergrund laufen…..mit dem Wissen es geschafft zu haben, und nur noch ca. 2 km laufen zu müssen, konnte ich auf dem letzten Stück sogar noch mit gutem Tempo laufen, so dass Alfred mich noch bremsen musste. Es war einfach toll! Der Kirchturm war nicht mehr weit – da neben war das Ziel - noch einmal um die Ecke biegen und wir waren da. Mit Zielfoto wurden wir empfangen. Toll! Ich hatte es wirklich geschafft. Sogar noch besser als erwartet! Vielen Dank an dieser Stelle an die Männerrunde, die die Geduld aufgebracht hatten, hier und da mal auf mich zu warten!! – Da fällt mir ein, warum sind nicht noch mehr Frauen von uns dabei?? – Ich habe bei diesen Landschafts - Läufen für mich jedenfalls erfahren, dass sie interessanter, abwechslungsreicher und familiärer sind – und in keinster Weise mit einem Stadt-Marathon zu vergleichen. – Die Erfahrung möchte ich auf jeden Fall nicht mehr missen! Vielleicht möchte sie ja die eine oder andere unter uns auch machen…!Ach so, zum Schluss noch mal zu den Duschen: Sie waren wirklich A….Kalt! Das machte aber auch nichts mehr, für mich stand fest, Du hast die 50 km geschafft, jetzt wirst Du nicht noch vor der kalten Dusche kapitulieren!
In geselliger Runde bei Kaffe, Kuchen und einem kühlen Bierchen gab es diverse Auszeichnungen, unter anderem wurden wir Neuen als „Nuller“ geehrt, weil wir zum ersten Male diesen Lauf absolviert hatten. So ging dann auch dieser schöne, erfolgreich, ein wenig anstrengender Tag zu Ende und wir machten uns Richtung Heimat auf. – Mal schauen wo der nächste Lauf ist!! – Anregungen gab is ja schon genug unterwegs!!
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