HusumMarathon

Husumer Wintermarathon gelaufen am 04.03.06

Wintermarathon an der Nordsee - Ein Bericht von Fritz Rietkötter

Die Anreise zu diesem “Wintermärchen” gestaltete sich bereits etwas schwierig, was den Verlauf des geanzen Wochenendes vorhersagen sollte. Los ging es am Freitag Abend mit viel Elan und Motivation Richtung Husum, zu meinem nächsten Vorbereitungslauf auf den Bieler 100km-UltraMarathon. In Hamburg durch den Elbtunnel, die Autobahn Richtung Heide und dann kam, wovon Kinder im Allgemeinen immer träumen, es kam Schnee. Schnee ohne Ende bedeckt die Weiten der nordfriesischen Landschaft. Soviel Schnee, dass selbst die Autobahn nicht mehr geräumt wurde. Nachts in Husum angekommen, war bereits klar, dass diese Schneemassen nicht bis zum nächsten Morgen weg tauen würden. Wie auch, es war zudem deutlich unter Null Grad. Egal dachte ich mir und so bezogen wir erst einmal das Hotelzimmer.

Ein nord- friesisches Winter- märchen, Husum im Schnee.

Am nächsten Morgen der erste Blick zum Fenster hinaus. Toll dachte ich und sah, dass neben dem bereits vorhandenen Schnee übernacht weitere 15cm hinzugekommen sind. Und nicht genug damit, es schneite weiter. Teilweise so heftig, dass man dachte, in den Alpen zu sein.

Beste theoretsiche Bedingungen für ein Wintermarathon eben. Wer will schon einen solchen Lauf in kurzer Hose bei 20 Grad absolvieren? Mit dieser Erkenntnis ging es dann zur Startnummernausgabe. Ein familiäres Bild, dass sich uns dort bot: eine Tischreihe und drei OrgaHelfer. Einige Läufer fanden sich auch bereits ein. Einer meinte, dass das Wetter ganz anders sei als sonst, nämlich mal kein Regen, der einem ins Gesicht peitscht. Na gut dachte ich mir, dann übernimmt das eben der Schnee. Erste Überlegungen der OrgaLeitung, den Marathon aufgrund der widrigen Verhältnisse abzusagen, wurden dann aber wieder verworfen und so sollte es pünktlich um 12.30 Uhr los gehen.

Organisation mit Ruhe und Gemütlichkeit

Karneval in Husum: die Karavane zieht weiter... eben zum Startbereich. Geräumt wurde nur ein schmaler Weg, dass reicht ja.

Letzte Vorbereitung vor dem Start

Vor dem Start war die Welt noch in Ordnung...

Geräumt wurde auf dem Sportplatz nur dass aller Notwendigste und im Startraum schalte es noch spassig durch die Reihen, dass dieser Lauf vorwiegend für die bestimmt sei, die nahe dem Suizid ständen. Was damit gemeint war, sollte ich noch ausreichend erfahren.

Der Startschuss wurde vom Husumer Bürgermeister abgeben. Dieser hielt sich zuvor Gott sei dank mit einer langen Ansprache auf und so wälzte sich die Läufermenge aus dem Station in Richtung nordfriesische Tiefebene. Angefeuert von meinem Fanclub Maria war körperlich alles im Lot und so vergingen die ersten Kilometer im Läuferpulk in gemäßigtem Tempo. Knöchelhoher Schnee auf nicht geräumten Wegen, ständiges Wegrutschen beim aufsetzen des Fusses und weil es so schön ist, rutscht der Fuss auch beim Abdruck wieder weg. Wintermarathon eben von seiner ganz natürlichen Seite. Das Resultat wurde mir sofort klar: an Laufrythmus war nur begrenzt zu denken und persönliche Bestzeiten wurden gar nicht erst anvisiert. Wie sagte ein Läufer in nordfriesischem Platt irgend wo zwischen Kilometer 4 und 6: die eigene Bestzeit im Sommer plus 30 Minuten und ich hätte meine Zielzeit.

Der Start, nur die Zuschauer fehlten noch...

Die weiteren Kilometer durch die nordfriesische Dorfwelt zeigten sich dann auch von ihrer winterlichsten Seite. Schneebedeckte Felder, weisse Fahrbahnen, knöchelhoher Schnee auf Radwegen, die nicht geräumt waren. Und dann wieder Schneefall. Wind von vorne links und Schneeflocken so gross und viel, dass sie sofort für eine weisse Schicht auf den Laufsachen sorgten. Überall Schnee: im Ohr, in den Augen, auf den Klamotten und nach einiger Zeit wurde aus Schnee Wasser und der durchdrang dann mühelos die Laufsachen. Nur gut, dass es irgentwann aufhörte zu schneien und ich mich ganz auf die Strecke konzentrieren konnte. Der leichte Gegenwind war ja zu erwarten und sorgte er dann auch nicht für weitere Schwierig- keiten. Interessant wurde es immer, wenn man nach vorne schaute. Entlose Geraden mit teilweise leichten Steigungen über mehrere Kilometer, eine echte Herausforderung. Bei diesem Anblick wusste ich, was der Läufer eben mit der Andeutung meinte, dass dieser Lauf nicht für Suizid gefährtet geeignet sei.

Was Maria jetzt wohl macht, dachte ich so bei mir. Wir wollten uns im Ziel wieder treffen und sie unterdessen die Zeit nutzen, etwas durch Husum zu bummeln. Durch warme Geschäfte gemütlich schlendern und anschließend ein Kaffee in irgend einem warmen Bistro trinken, das wäre die Alternativ-Veranstaltung gewesen.

Der Trammelpfad durch den unberührten Schnee schlängelte sich Kilometer um Kilometer durch die Landschaft und jede Verpflegungsstadion, die sich alle ca. sieben Kilometer auftat, sorgte für Abwechslung. Besonders die immer freundlichen Helfer und bestens motivierten “Getränke vertielenden Kleinen” haben einen besonderes Lob verdient. Trotz Kälte, wie das eben bei einem Wintermarathin so ist und den schlechten Bodenverhältnissen, lief es bis Kilometer einundzwanzig recht gut. Die Zwischenzeit mit knapp unter zwei Stunden lag voll im Soll und dann kam, was kommen musste, der Wendepunkt.

Als WendepunktMarathon ausgeschrieben ist dies immer der Motivationskiller Nummer eins. Die ersten Läufer stampften einem bereits wieder entgegen und das eigene Ausweichen für die entgegen kommenden schnelleren Läufer auf dem glatten Boden wurde jedesmal zu einer kontrollierten Rutschpartie. Der ausgelaufene Trampelpfad war gerade so breit wie ein Läufer und der Gang durch den knöchelhohen Schnee brachte neben kalten Füssen vorallen Kraftverlust und Rutschgefahr.

Ab Kilometer 33 fing der Marathon dann wirklich an, ein echter Wintermarathon zu werden. Endlos ansteigender und wieder abfallender Streckenverlauf. Die Kraft auf den letzten Kilometern aufgebraucht und dann immer wieder der mittlerweile eisige Laufbelag, der jeden Laufryhtmus zerstörte. So macht Marathon nur begrenzt Spass. Die Gedanken liefen kreuz und quer und immer wieder die Frage, ob ein solcher Lauf wirklich als Vorbereitung für die anvisierten 100km nötig ist. Dennoch, umkehren ist nicht und so ging es eben immer gerade aus.

Da die Zuschauer auf der Strecke fehlten, ganze fünfzehn klatschende Menschen meine ich gezählt zu haben, blieb nur noch der Bus der dänischen Laufgruppe, der immer mal wieder an der Strecke stand und aus denen Fans seltsame Worte riefen. Die Dänen hätten es bestimmt verstanden, da aber weder ein Däne noch ein anderer Läufer in meiner Nähe war, gab es keine Möglichkeit, die sicherlich freundlich gemeinten Anfreuerungen ins Deutsche zu übersetzen. Der eine oder andere Nordfriese auf der Strecke, der vor seinem Haus mit Schneeräumen beschäftigt war, stand dann auch eher Mitleid ins Gesicht geschrieben, denn aufmunterender Applaus. Hier sollte der Veranstalter vielleicht etwas an dem Image der Veranstaltung arbeiten.

Irgend wann tauchte der letzte Versorgungsstand in der winterlichen Landschaft Nordfrieslands auf und mit zwei Becher Cola ging es daran, die letzten Kräfte zu mobilisieren. Bei Kilometer 40 durchliefen wir den Husumer Ortseingang und irgend ein Ordner freuerte dann mit den Worten an, ihr seit super und gehört immer noch zur Spitzengruppe. Toll dachte ich, nett gemeint aber mitlaufen hätte er auch können.

Unverhofft dauchte dann doch wieder der Sportplatz auf und mit letzten Kräften ging es in die letzte Loipe einmal um den Sportplatz. Da nur so breit geräumt war, wie man Platz zum Laufen brauchte, war an ein Überholen auf der Zielgeraden nicht mehr zu denken. Wen auch, es war ja keiner in der Nähe, dachte ich und mit dem Blick auf die verschneite Zieluhr war das Abenteuer Wintermarathon in Husum als 10ter der Altersklasse mit 4:05:08 auch erfolgreich beendet. Eine sehr familäre Veranstaltung nahm dann mit einem gemeinsamen Abendessen seinen Ausklang.

Für alle Läufer, die Nordfriesland erkunden wollen, nicht Suizid gefährtet sind, gerne endlose Geraden sowie ruhige Dörfer durchlaufen wollen und anschließend in familiärer Atmosphere Lapskaus oder Hähnchenpfanne essen möchten, für die ist dieser Lauf genau das Richtige. Den Veranstaltern gebürt dann auch das abschließende Lob für eine kleine aber feine Veranstaltung, wo es warme Duschen und ausreichend Toiletten gibt, eben ganz anderes als bei den großen Städtemarathons!

Nach dem Lauf kam auch die Sonne noch raus! Wozu das Hütchen dort stand war mir schon während des Zieleinlaufes nicht ganz klar..

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Klein aber fein, auch der Zielbereich war von Schnee umlagert...

verlaufen kann man sich im Stadion so oder so nicht... Geräumt wurde fachmännisch und effektiv...

...irgendwann ist jeder Marathon vorbei...

 

 

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