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Die weiteren Kilometer durch die nordfriesische Dorfwelt zeigten sich dann auch von ihrer winterlichsten Seite. Schneebedeckte Felder, weisse Fahrbahnen, knöchelhoher Schnee auf Radwegen, die nicht geräumt waren. Und dann wieder Schneefall. Wind von vorne links und Schneeflocken so gross und viel, dass sie sofort für eine weisse Schicht auf den Laufsachen sorgten. Überall Schnee: im Ohr, in den Augen, auf den Klamotten und nach einiger Zeit wurde aus Schnee Wasser und der durchdrang dann mühelos die Laufsachen. Nur gut, dass es irgentwann aufhörte zu schneien und ich mich ganz auf die Strecke konzentrieren konnte. Der leichte Gegenwind war ja zu erwarten und sorgte er dann auch nicht für weitere Schwierig- keiten. Interessant wurde es immer, wenn man nach vorne schaute. Entlose Geraden mit teilweise leichten Steigungen über mehrere Kilometer, eine echte Herausforderung. Bei diesem Anblick wusste ich, was der Läufer eben mit der Andeutung meinte, dass dieser Lauf nicht für Suizid gefährtet geeignet sei.
Was Maria jetzt wohl macht, dachte ich so bei mir. Wir wollten uns im Ziel wieder treffen und sie unterdessen die Zeit nutzen, etwas durch Husum zu bummeln. Durch warme Geschäfte gemütlich schlendern und anschließend ein Kaffee in irgend einem warmen Bistro trinken, das wäre die Alternativ-Veranstaltung gewesen.
Der Trammelpfad durch den unberührten Schnee schlängelte sich Kilometer um Kilometer durch die Landschaft und jede Verpflegungsstadion, die sich alle ca. sieben Kilometer auftat, sorgte für Abwechslung. Besonders die immer freundlichen Helfer und bestens motivierten “Getränke vertielenden Kleinen” haben einen besonderes Lob verdient. Trotz Kälte, wie das eben bei einem Wintermarathin so ist und den schlechten Bodenverhältnissen, lief es bis Kilometer einundzwanzig recht gut. Die Zwischenzeit mit knapp unter zwei Stunden lag voll im Soll und dann kam, was kommen musste, der Wendepunkt.
Als WendepunktMarathon ausgeschrieben ist dies immer der Motivationskiller Nummer eins. Die ersten Läufer stampften einem bereits wieder entgegen und das eigene Ausweichen für die entgegen kommenden schnelleren Läufer auf dem glatten Boden wurde jedesmal zu einer kontrollierten Rutschpartie. Der ausgelaufene Trampelpfad war gerade so breit wie ein Läufer und der Gang durch den knöchelhohen Schnee brachte neben kalten Füssen vorallen Kraftverlust und Rutschgefahr.
Ab Kilometer 33 fing der Marathon dann wirklich an, ein echter Wintermarathon zu werden. Endlos ansteigender und wieder abfallender Streckenverlauf. Die Kraft auf den letzten Kilometern aufgebraucht und dann immer wieder der mittlerweile eisige Laufbelag, der jeden Laufryhtmus zerstörte. So macht Marathon nur begrenzt Spass. Die Gedanken liefen kreuz und quer und immer wieder die Frage, ob ein solcher Lauf wirklich als Vorbereitung für die anvisierten 100km nötig ist. Dennoch, umkehren ist nicht und so ging es eben immer gerade aus.
Da die Zuschauer auf der Strecke fehlten, ganze fünfzehn klatschende Menschen meine ich gezählt zu haben, blieb nur noch der Bus der dänischen Laufgruppe, der immer mal wieder an der Strecke stand und aus denen Fans seltsame Worte riefen. Die Dänen hätten es bestimmt verstanden, da aber weder ein Däne noch ein anderer Läufer in meiner Nähe war, gab es keine Möglichkeit, die sicherlich freundlich gemeinten Anfreuerungen ins Deutsche zu übersetzen. Der eine oder andere Nordfriese auf der Strecke, der vor seinem Haus mit Schneeräumen beschäftigt war, stand dann auch eher Mitleid ins Gesicht geschrieben, denn aufmunterender Applaus. Hier sollte der Veranstalter vielleicht etwas an dem Image der Veranstaltung arbeiten.
Irgend wann tauchte der letzte Versorgungsstand in der winterlichen Landschaft Nordfrieslands auf und mit zwei Becher Cola ging es daran, die letzten Kräfte zu mobilisieren. Bei Kilometer 40 durchliefen wir den Husumer Ortseingang und irgend ein Ordner freuerte dann mit den Worten an, ihr seit super und gehört immer noch zur Spitzengruppe. Toll dachte ich, nett gemeint aber mitlaufen hätte er auch können.
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