Kurioses

Hier entsteht eine neue Rubrik rund um das Thema: “Dies und das rund ums Laufen”

Wer Interessantes in dieser Rubrik ergänzen möchte, der schreibt dies einfach in eine Mail, ergänzt die Betreffzeile mit “Kurioses - WLT” und schickt es an die Adresse info@wildeshauser-lauftreff.de

Für die Beiträge heute schon vielen Dank!

Der Knut vom Grunewald

Von Achim Achilles

Achim liebt alte Treter. Wer Laufschuhe entsorgt, der schmeißt auch Fotoalben weg, denkt er. Prahlerei mit frischen Paradepuschen ist deshalb gar nicht sein Ding. Deshalb bittet er heute zur Wahl: Welcher abgewetzte Treter ist der Super-Schlappen?

Laufschuhe sind wie Eisbären. Wenn sie blütend weiß strahlen wie Flocke aus Nürnberg, dann sind sie Babys: langweilig süß, voll athletischer Unschuld, ohne jeden Kilometer des Lebens auf der Uhr. Erst Knuts Arbeitergrau signalisiert den Wandel vom langweiligen Statussymbol zum strapazierten Fußwerkzeug des Straßenkämpfers: Ich bin härter, gefährlicher und vor allem schneller, sagt der Schuh. Ich habe mich mindestens durch ein Jahr gequält, Schlurfschritt für Schlurfschritt. Ich bin der Knut vom Grunewald. Komm mir nicht zu nah.

Letzten Samstag tänzelte Klaus-Heinrich mit frischen Schuhen zum Lauftreff an. "Hab ich neu", protzte er. "Ach nee", sagte ich. "Technologisch ganz weit vorn mit Pronationsmittelbrückenleichtbautechnologie", dozierte er aus dem Prospekt. "Sehen aber mandymässig aus", entgegnete ich, "warum haste nicht das Preisschild dran baumeln lassen?" Klaus-Heinrich überlegte beleidigt. "297 Gramm", sagte er plötzlich triumphierend, "sind bestimmt leichter als deine." Ich schüttelte den Kopf und zeigte ihm meine Sohlen. "Ich hab schon mindestens 50 Gramm vom Profil abgelaufen."

Langsam kapierte mein Laufpartner: Jeder Schuh erzähle ne Geschichte. Die Geschichte vom neuen Schuh ist leider ziemlich kurz und langweilig: kein Training, kein Schmerz, kein Krampf, schon gar kein Wettrennen. Stattdessen ein provisionsgieriger Verkäufer, der wieder mal einem Gutgläubigen alle Dämpf- und Stützflunkereien aufgebunden, seine Kreditkarte geschnappt und ihm dafür einen Pappkarton mit zwei seelenlosen Hüllen überlassen hat.

Neuware riecht nach Plastik, der Schmutzschuh nach Charakter. Mit jedem Tritt hat er sich seinem Besitzer angepasst, schweigend Schweiß und Blut aufgenommen, ihn durch Matsch und Regen die Berge hinaufgetragen, spürte außen Tartan und Wurzelwerk und innen nachlässig geschnittene Fußnägel, quetschte seine Millionen Luftbläschen unermüdlich zwischen Fußsohle und Erdboden. Gute Schuhe klagen nie, sondern machen ihren Job.

Die meisten Läufer haben mit ihren Lieblingstretern mehr, vor allem aber eine glücklichere Zeit verbracht als mit dem Ehepartner. Denn Schuhe geben keine Widerworte. Sie sind einfach nur da. Laufschuhe wollen weder Schuhe kaufen noch Emotionsgespräche führen. Bisweilen quietschen sie leise oder schmatzen verhalten. Stilles Einvernehmen. Wie Verliebte am ersten Tag.

Oft betrachte ich sie versonnen, wie sie sich da in unserem Schrank kuscheln: die zerwetzten Lightweights aus jenen Tagen, als man noch an Bestzeiten glaubte. Klobige, aber gutmütige Dicksohlen, die die Angst vor den langen Läufen mildern sollten, wenn sie auch erfolglos blieben. Oder die auf sockendünne zerlaufenen Allrounder, die immer dann zum Tragen kommen, wenn man sich so durchschnittlich fühlt wie meistens. Wie fremd wirken junge weiße Fohlensohlen zwischen all diesen Hengsten der Rennbahn?

Mona sagt, fast alle meine schnürbesenkelten Freunde gehörten auf den Sondermüll. "Nur wenn ich deine Schuhe auch wegwerfen darf", antworte ich. Dann ist wieder vier Wochen Ruhe. Zu derlei Geschichtslosigkeit sind nur Frauen fähig. Wer schon keine große sportliche Vergangenheit hat, dem bleibt wenigstens sein Brooks Axiom, der den Kilometer einst unter vier Minuten schaffte, auch wenn er mit dem Loch vorne links und der lappenden Sohle schon etwas gebrechlich aussieht. Wer Laufschuhe entsorgt, der schmeißt auch Fotoalben weg.

Klaus-Heinrich jedenfalls hat beim Laufen kein Wort mehr über seine Paradepuschen verloren. Stattdessen ist er zickzack in jedes Matschloch getreten, das auf unserem Weg lag. Nach einer Stunde blitzte das Weiß kaum noch durch. Wird Zeit, dass Straßenschmutz aus der Sprühdose erfunden wird. Das erspart die Peinlichkeit, in neuen Schuhen herumzulaufen.

Quelle: Spiegel – online.

Autofahren macht Spaß. Essen auch. Am meisten Spaß macht Essen im Auto,deswegen habe ich auch diese erhöhte Affinität zu Drive-In Schaltern...

Speziell in meinem Lieblings Fast-Food Restaurant. Das Vergnügen an dieser Self-Service Station des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich durch die Qualität der Gegensprechanlage gemindert.

Gegensprechanlage... Meiner Überzeugung nach, hat sie diesen Namen nur bekommen weil sie völlig gegen das Sprechen ausgelegt ist...

"Hiere Bechellung hippe."

Knarzt es mir aus dem Lautsprecher entgegen. Klingt für mich nach Schellackplatte... Aus Erfahrung aber weiß ich, dass sich die Stimme (männlich... weiblich... Wohl eher männlich) am anderen Ende dieses Dosentelefons soeben nach meiner Bestellung erkundigt hat.

Jetzt einfach zu bestellen wäre mir zu langweilig, also frag ich:

"Haben sie etwas vom Huhn?"

Aus dem Lautsprecher ertönt ein schwer verständliches Wort, das aber eindeutig mit: "...icken" endet. Ich antworte:

"Später vielleicht, zunächst möchte ich was essen."

Etwas lauter tönt es zurück: "SCHICKEN?" Ich kann es mir nicht verkneifen:
"Nein ich würde es gleich selbst abholen."

Eine kurze Pause entsteht, ich stelle mir belustigt die genervte Visage des McDoof-Knechts vor. Als die Sprechpause zu lang werden droht, sage ich: "Ach sie meinen CHICKEN? Nö, lieber doch nicht. Haben sie vielleicht Presskuh mit Tomatentunke im Röstbrötchen?"

"Hamburger?" fragt mein unsichtbares Gegenüber zurück. Wahrheitsgemäß antworte ich:

"Nein ich bin von hier. Aber hat das denn Einfluss auf meine Bestellung?"

"Wol-len sie ei-nen Ham-bur-ger?"

"Jetzt beruhigen sie sich mal, ja ich nehme einen."

"Schieß?"

"Stimmt, hatte ich nach meiner letzten Mahlzeit hier, mittlerweile ist meine

Darmflora aber wieder wohlauf, ich denke ich kann es erneut riskieren."

Der Stimminhaber beginnt mir ein wenig leid zu tun. Er kann ja nichts für seinen Job, aber ich ja schließlich auch nicht.

"Ob sie KÄ-SE auf den Hamburger möchten?"

"Ah ja gern, ich nehme einen mittelalten Pyrenäen Bergkäse, nicht zu dick geschnitten, von einer Seite leicht angeschmolzen."

Ob die nächste Ansage aus dem Lautsprecher: "Sicher doch." oder "Arschloch" lautet, kann ich nicht genau heraushören... Deutlicher erklingt nun:

"Was dazu?"

"Doch ja, ich hätte gern diese gesalzenen frittierten Kartoffelstäbchen."

"Also Pommes?"

"Von mir aus auch die..."

"Klein, Mittel, Groß?"

"Gemischt, und zwar jeweils zu einem drittel große, mittlere und kleine."

"WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN???"

Diese wiederum sehr laut formulierte Frage verstehe ich klar und deutlich, sie verlangt eine ehrliche Antwort:

"Falls das die Bedingung ist, hier etwas zu Essen zu bekommen, JA, also?
Machen wir weiter?"

Die Stimme schnauft kurz und fragt: "Gut, gut. Pommes, etwas zu den Pommes?"


"Ein schönes Entrecôte, blutig und ein Glas 1996er Spätburgunder bitte."

"ICH KOMM DIR GLEICH RAUS UND GEB DIR BLUTIG!!!"

"Machen sie das, aber verschütten sie dabei bitte nicht den Wein."

"Schluß jetzt, Schalter 2. 4Euro 15."

Schon vorbei, gerade als es anfing lustig zu werden. Aber ich habe noch ein Ass im Ärmel. Ich zahle mit einem 500 Euro Schein.

"Tut mir leid, aber ich hab`s nicht größer."

Freundlich werde ich ausgekontert: "Kein Problem." Mit kaltem Blick lässt ein bemützter Herr mein Wechselgeld auf den Stahltresen klappern. Nicht mit mir Freundchen, ich will den Triumph.

Also, Zeit fürs Finale.

"Kann ich bitte ne Quittung bekommen?" frage ich überfreundlich. "Ist ein Geschäftsessen!"

Nun Hausverbot!! Aber den Spaß war es wert!

Quelle: leider unbekannt, die Welt der E-Mails hat zugeschlagen....

Für Raucher und Nichtraucher

Das ist wohl die beste Anwaltsgeschichte des Jahres. Sie ist wahr und den ersten Platz im amerikanischen Wettbewerb der Strafverteidiger (Criminal Lawywe Award Contest) gewonnen:

In Charlotte, NC, kaufte ein Rechtsanwalt eine Kiste mit sehr seltenen und sehr teuren Zigaretten und versicherte diese dann, unter anderem, gegen Feuerschaden. Über die nächsten Monate rauchte er die Zigaretten vollständig auf und forderte dann die Versicherung auf (die erste Prämienzahlung war noch nicht einmal erbracht), den Schaden zu ersezten.

In seim Anspruchschreiben führte der Anwalt auf, dass die Zigarette durch eine Serie kleiner Feuerschäden vernichtet worden seien. Die Versicherung weigerte sich zu bezahlen mit der einleuchtenden Argumentation, dass er die Zigarette bestimmungsgemäß ver(b)raucht habe.

Der Rechtsanwalt klagt und... gewann!

Das Gericht stimmte mit der Versicherung überein, dass der Anspruch unverschämt sei, doch ergab sich aus der Versicherungspolice, dass die Zigaretten gegen jede Art von Feuer versichert seien und Hauftungsausschlüsse nicht bestünden.

Folglich müsse due Versicherung bezahlen, was sie selbst vereinbart und unterschrieben hatte.

Statt ein langes und teueres Berufungsverfahren anzustrengen, akzeptierte die Versicherung das Urteil und bezahlte 15.000 US Dollar an den Rechtsanwalt, der seine Zigaretten in den zahlreichen Feuerschäden verloren hatt.

Jetzt kommts! Nachdem der Anwalt den Scheck der Versicherung eingelöst hatte, wurde er auf deren Antrag in 24 Fällen von Brandstiftung verhaftet. Unter Hinweis auf seine zivilrechtliche Klage und seine Angaben vor Gericht wurde er wegen vorsätzlicher Inbrandsetzung seines versicherten Eigentums zu 24 Monaten Freiheitsstrafe (ohne Bewährung) und 24.000 US-Dollar Geldstrafe veruteilt!

Quelle: leider unbekannt, die Welt der E-Mails hat zugeschlagen....

 Leipziger Sportler startet Lauf um die Welt - 298 Tage unterwegs

Leipzig (dpa/sn) - Der Leipziger Extremsportler Robby Clemens ist am Mittwochmorgen zu einem Weltrekordlauf rund um die Welt gestartet.Clemens brach um 8.30 Uhr zu seiner ersten Etappe nach Chemnitz auf, den Startschuss für den Lauf durch 28 Länder gab Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). In den nächsten 298 Tagen will der 45-Jährige 23 000 Kilometer zurücklegen. Pro Tag ist er dann 80 Kilometer - einen Doppelmarathon - auf den Beinen. Erlöse aus Spenden sollen krebskranken Kindern zu Gute kommen.

Betreut wird Clemens bei seinem Lauf unter anderen von einem Arzt und einem Ernährungstrainer. Auf der Strecke erwarten Clemens mehrere Höhepunkte: Unter anderem wollen Rocksänger Bruce Springsteen und Jon Bon Jovi ihn ein Stück in den USA begleiten. Am 27. Oktober will der gelernte Gas-Wasser-Installateur wieder in Leipzig sein. Auf der Strecke werden rund 50 Sportschuhe verschlissen. Das Projekt kostet etwa 400 000 Euro.

Seine erster Extremlauf führte den gebürtigen Sachsen-Anhalter 2001 von Hohenmölsen nach Ludwigshafen (493 Kilometer), zwei Jahre später rannte er 500 Kilometer von Basra nach Bagdad, um auf die Leiden der irakischen Kinder im Krieg aufmerksam zu machen. Die Weltumrundung ist die bislang größte Tour von Clemens. Den Weltrekord für einen solchen Lauf hält seit 1995 der Kölner Heine Stupp, der 492 Tage benötigte. 

Quelle: Leipziger Volkszeitung --- Link zum Lauf gibt es in unserer Linksammlung

CHILLES' VERSE

Wie ich den Hamburg-Marathon überlebte


Von Achim Achilles

Er hat es getan. Tatsächlich. Unser Grölaz (Größter Läufer aller Zeiten) ist beim Hamburg-Marathon gestartet. Und wie. Tausende Läufer rannte er in Grund und Boden. Achim, wir sind stolz auf dich. Aber bitte jetzt nicht abschlaffen, der Ironman wartet. Wir setzen auf dich.
Seit Sonntagabend habe ich die Wohnung nicht mehr verlassen. Der einzige, der mich seither gesehen hat, war ausgerechnet Supi-Roland. Er kam die Treppe hinab gehüpft, als ich mich, auf Karl und Mona gestützt, aus dem Auto kippen ließ, wie ein Spätheimkehrer von der Ostfront. Die Gesichtsfarbe spielte ins Mehlig-Mozzarellahafte. Ich wollte Roland ein paar Souveränitäten entgegenschleudern, aber es kam nur trockenes Grunzen. "Achim war super", sagte Mona vorsorglich. Zum ersten und einzigen Mal in seinem verpfuschten Leben kapierte Roland, dass er einfach nur die Schnauze halten sollte.

Seitdem liege ich im Bett. Wo früher Beine waren, herrscht Ziehen und Brennen und Wringen. Beinpein und Blase stehen in stetem Kampf. Erst wenn der Wasserdruck die Stärke 17 auf der Niagara-Skala erreicht hatte, schleppe ich mich Richtung Keramik. Sitzen geht nicht. Die Schilderung weiterer Details würde die Menschenwürde verletzen.Marathon macht stur und blöd und krank, an Bein und Birne. Monatelang hatte ich nur diesem Sonntagmorgen entgegengelebt. Der Apotheker meines Vertrauens hatte mir sogar noch eine Wunderwaffe gegen überfüllte Eingeweide am Morgen zugesteckt: "Mikroklist" heißt die Plastiktube mit dem extra langen Rüssel. Luft anhalten, bücken und an die FDP denken. Kein Busch war klein genug, als dass ich mich auf dem Weg zum Start nicht hineingeschlagen hätte. Es half nichts. Das Adrenalin krempelte meinen Magen um, und "Mikroklist" pfiff es in die Welt.

Ich fühlte mich wie eine Backpflaume, als ich über die Absperrung in den Startblock HLV C kletterte. Um mich herum roch es nach Hering. Ich war in den Betriebsausflug eines dänischen Altersheims geraten. "Hej", sagten alle mit provozierendem Grinsen und hüpften wie die tanzenden Bohnen in der Muppet-Show. Wahrscheinlich kommen Dänen zum Laufen nach Hamburg, weil ihr Zwergstaat zu kurz ist für einen Marathon. "Wir wollen 4:15 Stunden laufen", verkündete ein drahtiger Mittsiebziger. "Wenn du's noch erlebst, Opa", dachte ich und nickte völkerverständigend. Der Startschuss war schon vor Ewigkeiten ertönt, aber die Scheintoten aus Block HLV C durften erst 15 Minuten später auf die Strecke.

Endlich kamen die Heringe auf Trab. Wildes Piepen der Zeitnahmematte. Kein Zurück mehr. Eine Weile blieb ich bei Dänen. Sechs Minuten den Kilometer, das erschien meiner Form angemessen. Am Anfang zu schnell, vorm Ende tot, lautete die Regel. Aber der Däne erwies sich bald als ultrapatriotische Nervensäge. Wo immer sie etwas Rotweißes entdeckten, blieben sie stehen, rissen die Arme in die Höhe und brüllten etwas, das klang wie "Pölser-Olé": vor Stoppschildern, Vodafone-Reklamen, Rotkreuzwagen und Pommesschalen.

Mit dem stillen Selbstbewusstsein, das den Vertreter der papststellenden Nation ziert, zog ich bei Kilometer 16 davon, auf dem Jungfernstieg, vor begeistertem Publikum. Auf der langen Geraden zum Flughafen hatte ich den 4-Stunden-Tempoläufer entdeckt, einen knappen halben Kilometer vor mir. Da musste ich ran.

Bis Kilometer 32 lief alles ordentlich, auch wenn ich zu langsam war. Die Dänen hatten mich eingelullt. Plötzlich merkte ich, wie ich immer häufiger auf die Uhr blickte, einfach so, als ob da Rettung sei zwischen den digitalen Zahlen. Aber die Ziffern sagten mir nichts. Im Kopf war kein Blut mehr. Alles leer, dumpf, Kartoffel.

Dann plötzlich der Filmriss. Ich kann mich an nichts erinnern außer an ein "Aua" bei jedem Schritt. Beine wie T-Träger, laufende Dampframme. Butter im Knie. Meine auf sexy geschnittene Hochleistungshose hatte mir eine Fleischwunde in beide Oberschenkel geraspelt. Was mal eine Zunge war, fühlte sich plötzlich so pelzig an wie Daisy. Jeder Fuß zur Calzone aufgequollen. Hoffentlich lief kein Blut aus dem Schuh. Dänen würden kommen und La Olá machen. Ich würde Vaterunser beten, wenn mir der Text einfiele.

Irgendwann muss ich ins Ziel getaumelt sein, nach ungefähr 4:20 Stunden, immerhin unter den ersten 10.000. Ein Sanitäter kam auf mich zugestürzt und fragte, ob alles okay sei. Nein, zum Teufel, überhaupt nichts ist okay. Ich bin so gut wie tot. Mona stand hinterm Zielzaun und sah mich besorgt an: Dieses Wrack war einmal ihr knuddelweicher Mann gewesen. Irgendwer hängte mir eine Medaille um. Ich war zu schwach, ihn mit dem Bändsel zu erwürgen.

Taumeln. Ich verfluchte den Marathon und jeden einzelnen dieser gut 18.000 Spinner. Das hatte mit Wohlbefinden nichts zu tun. Marathonläufer sind Selbstdarsteller, Autoerotiker, die sich daran aufgeilen, von Hamburger Hausfrauen bejubelt und in ihrer Firma am nächsten Tag bewundert zu werden. Marathon ist die bekloppteste Form der Onanie, lang zwar, aber viel zu schmerzhaft. Mona hievt mich auf die Rückbank, wo ich bis Berlin durchröchele. Seit diesem Tag hat Karl jedweden Respekt vor seinem Vater verloren. Das war mein erster und mein letzter Marathon, garantiert.

Auch wenn mein kleines Marzipan-Mönchen als Krankenschwester eine Wucht ist, werde ich morgen versuchen, wieder am normalen Leben teilzunehmen. Ich werde eine Aufständischen-Gruppe gründen, die Marathon-Ade-Fraktion (MAF). Die notfalls mit Waffengewalt durchzusetzenden Forderungen: Nieder mit der Marathon-Diktatur, keine Läufe mehr über 20 Kilometer, Isolationshaft für alle zellulitischen Weiber, die mich je überholt haben. Von der Kuppel des Reichstages werde ich getragene Laufsocken in den Plenarsaal werfen. Und dann? Werde ich Genussläufer. Wellness-Jogger. Zum ersten Mal will ich bei diesem Irrsinn auf Schaumsohlen so etwas verspüren wie - Spaß.

Achim Achilles ist einer von über zehn Millionen Freizeitsportlern in Deutschland. Er ist nicht mehr ganz jung, nicht mehr ganz schlank, nicht mehr ganz fit. Früher war er gut trainiert. Dann kam der Job, die Familie, der Rotwein. Jetzt fängt er wieder an zu laufen. Nicht weil er es mag, sondern weil er die Sticheleien seiner Frau Mona nicht länger erträgt. Das Gerede vom Spaß am Laufen macht Achim nicht mit. Laufen ist für ihn wie Zahnarzt, man kommt nicht drum herum. Sein Ziel: den Hamburg-Marathon im April 2005 zu überleben. Sein Traum: der Ironman auf Hawaii. Leider ist der Weg dorthin beschwerlich. Von seinem Training spürt er nur mordsmäßigen Hunger. Achim lässt SPIEGEL ONLINE an seinen Läufen teilhaben. Er schreibt Tagebuch - jede Woche ein neues Kapitel.

Quelle: Magazin Der Spiegel

Alles über Weihnachten!

Ein Witz:

In einem Wald sitzt ein Affe und setzt sich gerade eine Spritze an, als plötzlich ein Hase des Weges kommt und zum Affen meint: "Scheiß Drogen, Drogen sind scheiße! Komm wir gehen joggen!" Der Affe packt sein Zeug widerwillig weg und joggt mit. Nach einer Weile treffen sie auf einen Bären, der sich gerade eine hübsche Line reinziehen will. Doch bevor der Bär auch nur ein bisschen was erwischt, meint der Hase wieder: "Scheiß Drogen, Drogen sind scheiße! Komm, geh mit uns joggen!" Also packt auch der Bär zusammen und joggt nicht ganz freiwillig mit. Kurz darauf begegnen sie einem Löwen, der sich gerade in aller Ruhe einen Joint dreht. Doch der Hase meint wieder: "Scheiß Drogen. Drogen sind scheiße. Komm mit!" Der Löwe dreht sich den Joint fertig, zündet ihn an und haut dem Hasen kräftig eine runter. Der Affe und der Bär ganz verdutzt: "Wieso hast du das jetzt gemacht?" Darauf der Löwe: "Immer wenn der Hase auf Ecstasy ist, müssen wir joggen!"

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