MüritzUltraMarathon

25.08.2007, der Müritz UltraMarathon.

76,7km - ein Ultra Marathon um den größten Binnensee Deutschlands, durch das Herz der Mecklenburger Seenplatte - ein Bericht von Fritz Rietkötter

...vor dem Start ist die Welt immer in Ordnung...

Müritz Nationalpark heisst “Natur pur”, heisst aber auch ein Ultra Marathon der besonderen Art. Wer die Ruhe sucht, wer die Natur beim Laufen erleben will, wer bei einer familiären Laufveranstaltung mitmachen möchte, der ist bei diesem UltraMarathon genau richtig. Damit ist aber auch eines bereits im Vorwege gewiss: hier gibt es keine Zuschauermassen wie bei den großen Laufveranstaltungen, hier gibt es keine endlos scheinende Läuferschlange, die jedem das Gefühl vermittelt, niemals alleine auf der Strecke zu sein. Diese Gegebenheiten galt es anzunehmen, was sich auch auf die Vorbeitung zu diesem Ultra Marathon auswirkte. Mehr lange Einheiten als bei der Vorbereitung zum 100km - Lauf von Biel, mehr Laufkilometer als bei der Vorbereitung zum 72km - Ems-Jade Ultralauf.

...Erkundung der Gegebenheiten am Tag zuvor von See aus- und der ist doch deutlich größer als gedacht...

...Waren macht von allen Seiten einen tollen Eidruck...

Doch irgendwann ist es soweit, die letzten Trainings- kilometer sind absolviert, die letzte Regenartionsphase ist abgeschlossen und dann steht man morgens im Startbereich. Die Gedanken verlieren sich, die Konzentration auf die folgenden Stunden, auf die Strecke beginnt. Die Worte des Wetterberichts vom Abend zuvor lagen mir noch im Ohr: 27 Grad und Sonne, dazu ein leichter Wind... Was wird der heutige Tag bringen? Regen und Kälte schon mal nicht - das war klar. Schlussendlich war es aber auch egal. Ein zurück gab es nicht und klar war auch, dass irgendwann die Ziellinie überquert werden sollte. Außerdem war das Zeitziel eindeutig definiert: 8 Stunden minus X (auch wenn Maria das nicht gerne hörte), denn dieses Zeitziel hiess eine Laufgeschwindigkeit von ca. 6 Minuten je Kilometer. Mein erster Marathon ging mir durch den Kopf. Da war selbst bei der Distanz von 42,196km an dieses Durchschnittszeit nicht zu denken, doch seither sind viele Jahre und unzählige Laufkilometer vergangen.

Meine “Fangruppe” stand ebenfalls im Startbereich und hatte noch den einen oder anderen interessanten Tip parat, der aber irgendwie an mir vorbeizog. Es zeigte sich schon jetzt, wie familäre dieser Lauf werden sollte. In lockerer Atmosphere fand sich das Läuferfeld zusammen, im Hintergrund wurde noch an einem Zelt des Zielbereichs gewerkelt (die hatten ja auch noch ein paar Stunden Zeit...) und plötzlich kam die Aufforderung, an die Startlinie vorzurücken. Dort stand der Schirmherr mit standesgemäßer Startpisole und den obligatorischen guten Worten. Vor dem Läuferfeld fanden sich die Handbiker ein, die mit ihren Renn- Rollstühlen eigentlich den größten Aplaus verdient haben und dann fiel endlich der Startschuss.

Endlich ging es los. Jetzt wird sich zeigen, wie gut die Vorbereitung war. Die ersten Kilometer zogen dahin. Immer wieder der Blick auf die Uhr, immer wieder die Pulskontrolle. Mein Laufrythmus und Pulsfrequenz stellten sich schnell auf dem gewünschten Niveau ein. So ging es durch die ersten 10km in Richtung der ersten Verpflegungsstadion irgendwo im Müritzer Nationalpark. Die erste Stunde verflog fast unbemerkt, zumal ich mich mit 5 weiteren Läufern über “dies und dass” rund ums Laufen unterhielt - jetzt ging es schließlich erst einmal darum, den Laufrythmus zu halten und das Tempo blos nicht zu überdrehen - da ist ein kleiner Plausch noch immer das beste Mittel. Themen waren genug vorhanden: 100km Ultra in Leipzig, 24 Stundenlauf, Marathonveranstaltungen im allgemeinen und Interessantes rund um die Organisation einer Laufgruppe - da gibt es eine Menge zu berichten. Gerade das letzte Thema zeigte mir aber auch, dass wir im Wildeshauser Lauftreff schon eine tolle Truppe zusammen haben, da würden sich andere Vereine freuen.

Die erste Verpflegungsstadion kam in Sicht. Der Blick auf die Uhr gab Gewissheit, dass das Zeitziel für die ersten Kilometer erreicht war. Die Fangruppe war auch schon da und machte Stimmung - also alles im Lot. Klar war aber auch, dass es jetzt langsam ernst wurde. Unsere kleine Läufergruppe trennte sich und so ging es Kilometer um Kilometer durch den Müritzer Nationalpark. Natur pur, vorbei an Seen mit jeder Menge Federvieh, aus der Ferne die Rufe eines Kranichs, Fischreiher auf einer Wiese. Hier ist jede Menge los.

...die ersten Kilometer, da gibt es noch viel Luft zum reden...

Wieder eine Verpflegungsstadion, wieder die Fangruppe, wieder der Blick auf die Uhr - immer noch alles in Ordnung. Es ging weiter von Bock nach Rechlin. In Rechlin das geschäftigen Treiben der Anwohner, die den Lauf mit spontanem Aplaus begleiteten, teilweise aber auch etwas ungläubig schauten. Es war Samstag und das Dorf bereitete sich aufs Wochenende vor. Da waren Läufer, die sich zu Fuss auf den Weg um den Müritz See machten doch ein etwas ungewohntes Bild. Irgendwann wurde hinter Rechlin die Bundesstraße überquert, die Polzei hielt den Verkehr an, hier war die Spitze des Müritz - Sees erreicht. Der erste gravierende Streckenteil war geschafft. Der Blick auf die Uhr wurde zur monotonen Beschäftigung und immer wieder die Pulskontrolle mit dem Resultat, dass auch bei km 40 alles im grünen Bereich war.

Und wieder - wie sollte es auch anders sein - ging es in die Natur, doch jetzt kam der wirkliche UltraMarathon. Zeitweilig schien die Sonne, dann wieder Wind von vorne, dass man sich fragte, ob der erste Herbststurm einzug gehalten hat. In einem kleinen Dorf stand eine Oma mit ihren zwei Engelkindern und hatte eine “private Versorgungsstadion” eingerichtet. Die Kleinen freuten sich überschwänglich, als der hingehaltene Wasserbecher von mir mitgenommen wurde. Dann wieder weiter - hier ist man mit sich und der Anstrengung alleine dachte ich noch und dann wurde es unangenehm. Es ging durch die Hügellandschaft am Müritz See. Es hatte den Anschein, dass sich die Hügel zu Bergen auftürmten. Eine Steigung nach der anderen, teilweise langgezogen, teilweise kurz und heftig. Der Eifelmarathon kam mir in den Sinn. Es ging an die Substanz, der Blick auf den Puls zeigte unmissverständlich die Anstrengung. Das Zeitziel im Kopf ging es weiter. Schritt um Schritt, Kilometer um Kilometer. Irgentwo kurz vor der Verpflegung in Zierzow (km 57) war dann der erste kritische Punkt zu überstehen. UltraMarathon ist eben nicht nur Natur pur und tolle Landschaftsbilder, UltraMarathon bedeutet auch die Überwindung der eigenen Grenzen.

Aber es ging weiter, auch Dank der sehr guten Verpflegung. Egal ob Wasser, Isogetränke, Cola, Bananen Haferschleim - die Stadionen standen immer an der richtigen Stelle. Wie meine Fangruppe diese jedoch in der “Müritzer Weite” immer wieder gefunden hat, blieb mir ein Rätsel. Die Anfeuerung half, die Verpflegung half und irgendwann so um Kilometer 65 ging es mit dem Körper wieder bergauf. Der Puls lag zwar nicht mehr im gewünschten Bereich aber die Zeit war noch immer im Plan. Auch wenn die vergangenen Kilometer ihren Tribute gefordert haben, es konnte jetzt endlich auf die letzten Kilometer gehen. Immer wieder eine neue Hochrechung bei einem Kilometerschild und immer wieder das selbe Ergebnis: die 8 Stunden waren zu schaffen. Auch wenn immer wieder eine neue Steigung kam, so merkte ich doch, dass der Laufrythmus wieder da war.

...das Orga - Team (naja, ein Teil), ohne deren Einsatz dieser Lauf nicht möglilch gewesen wäre...

Irgendwo ab Kilometer 60 ging es auch daran, den einen oder anderen Läufer zu überholen. Startete die Führungsgruppe des Feldes heute morgen noch mit einem für meine Verhältnisse zu hohem Tempo, so sah ich jetzt viele von Ihnen wieder. Kontiunierlich ging es an mehr und mehr Läufern vorbei - ein Motivationsschub, der ebenfalls seinen Beitrag daran leistete, sich aus dem eigenen körperlichen Tief wieder herauszuarbeiten. Auch wenn es eher nebensächlich ist, so blieben von den 82 gestarteten Läufern am Ende der Strecke doch mehr hinter als vor mir - und in den TOP10 der Altersklassenwertung zu landen hört sich zumindest gut an.

Jetzt ging es nicht mehr darum, die 8 Stunden zu halten, jetzt wollte ich eine 7 vor der Zeitmessung haben. Die letzte große Versorgungsstadion bei Klink (km67) musste dann die letzten Kräfte mobilisieren. Der Schwam mit kaltem Wasser tat wieder mal gut und so ging es auf die letzten 10km. Durch die Bäume konnte man immer wieder von weitem Waren sehen. Die Angabe noch 4km lies auch den letzten Zweifel verfliegen, wenn nichts unangenehmes mehr passiert, dann wird die Zielzeit mit einer 7 beginnen. Nochmals ging es gegen die Uhr, dann endlich die Hauptstraße von Waren. Die letzten zwei Kilometer, der letzte Kilometer, es ging auf den Hafen zu. Nochmals ein Blick auf die Zeit und die Gewissheit, es zu schaffen. Dann war es endlich soweit, die Zielabsprerrung im Hafen war zu sehen, die Zuschauer klatschten, die eigene Fangruppe war lautstark vertreten und die letzten Meter konnten genossen werden und liesen die ganze Anspannung abfallen - bei 7 Stunden 54 Minuten blieb die Uhr stehen.:

...die beiden haben alle Hände voll zu tun! Ein Anblick auf dem Tablett, der einem immer wieder Freude macht...

Empfehlung am Rande!

...und übrigens, danach ging es eine Woche nach Usedom an die Ostsee und ans Haff (auch zum Radfahren, daran hat Maria immer ihren Spass...). Wer einmal ein familiengeführtes Hotel mit einer Top - Küche sucht, der sollte bei Familie Butz vorbei schauen, wirklich empfehlenswert! Hier gehts zum Direktlink: “to’n Eikbom

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Dieser UltraMarathon ist für jeden, der gerne einen ungestörten Lanschaftslauf absolvieren möchte, sicherlich das Richtige. Die herrliche Landschaft und kleinen Dörfer entschädigen jeden Läufer, der sich darauf einlässt, für die Strapazen eines UltraMarathons. Das Orga-Team hat ganze Arbeit geleistet und ihm gebührt auch ein ganz besonders Lob. Eine solche familäre Veranstaltung auf die Beine zu stellen und entlang der Strecke die Verpflegungsstadionen an Orten einzurichten, wo die aller wenigsten mit einem Schluck Wasser rechnen, dass ist schon eine tolle Leistung. Es ist nur Schade, dass dieser Lauf in der Region kaum wahrgenommen wird. Der Müritzlauf, auch und vorallem mit seinen weiteren Wettbewerben wie Staffel- , Städte- lauf, Handbiker und Walking hat viel für alle zu bieten. Etwas mehr Zuschauer bei den großen Verpflegungs- stationen würde allen gut tun, der Ems-Jade-Ultra Marathon zeigt wie es auch gehen kann. Wieder- kommen werde ich sicherlich, denn auf der Ziellinie war bereits klar, dass es sich hierbei nicht um den letzten UltraMarathon handelt, den ich bestritten habe und bestimmt auch nicht das letzte Mal in Waren war.

 

Die Eindrücke incl. “kluger Kommentare” vom Müritz Lauf 2007 (mit Doppelklick aufs Bild geht es in das Album):

Vor dem Start

Start

Landschaft

Natur

0

1

2

3

Röbeln

Natur pur

Um km35

Um km40

4

5

6

7

Um km45

Um km55

Fanverpflegung

Verpflegung in Schwarzenhof 10km

8

9

10

11

Verpflegung in Boek 19km

Verpflegung in Röbeln 46km

Kilometer unbekannt

Verpflegung in Zierow 57km

12

13

14

15

Verpflegung in Klink 67km

Handbiker

Zieleinlauf

geschafft

16

17

18

19

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